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Leben

Gießen: Ein humorvoller Blick auf Abi-Motto-Vorschläge im NS-Jargon

Es war der letzte Schultag, ein Tag, der für viele Schüler in Gießen mit einer Mischung aus Aufregung, Nostalgie und einer gehörigen Portion Rebellion einherging. Das Abi-Motto, ein traditionsreiches Ritual, wird oft als das kreative Meisterwerk des Jahrgangs gefeiert. Doch in diesem Jahr schien die Kreativität ihre Grenzen ein wenig zu verlieren. Man könnte sagen, sie hat die falsche Abzweigung genommen – direkt in die dunkelsten Kapitel der Geschichte.

In den Klassenzimmern wurde darüber diskutiert, welche Sprüche das Motto tragen sollten. Einige der Vorschläge, die durch die hinteren Reihen der Schulflure flogen, gaben Anlass zu einem leicht ironiestudierten Schmunzeln. „Wir haben keine Zeit für die Ohren“, schallte es von einem der Tische. Ein anderer Werkzeugkasten an Ideen erwähnte, dass man die „unsterbliche Würde“ der Abiturienten nicht in den Schmutz ziehen sollte, während ein Dritter sich gleich auf die große Bühne der Provokation wagte. Man könnte meinen, die Schüler hätten jedwede Form von Anstand abgelegt und sich im Rausch des kreativen Überflusses verloren.

Kurzsichtiger Humor oder verpasste Gelegenheit?

Eines der am häufigsten diskutierten Mottos verwies auf die vermeintlichen „Heldentaten“ der Vergangenheit und wurde schnell zum Liebling der Gruppe. Man stellte sich vor, wie man mit diesem Spruch auf dem Schulhof auftauchen könnte, während die Lehrer mit besorgten Gesichtsausdrücken hin und her schauten. Die Frage, die sich vielerorts stellte, war, ob die Schüler sich der Implikationen ihrer Worte überhaupt bewusst waren. Manchmal ist es schwer zu glauben, dass der scharfe Verstand der Jugend nicht auch zur Reflexion über die gewählten Worte fähig sein könnte.

Eine humorvolle Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sollte erfrischend sein und nicht mit dem moralischen Zeigefinger ermahnt werden. Dennoch konnte niemand so recht einschätzen, wie lange der Spaß andauern würde, bevor die erste Klage wegen Verunglimpfung der guten Sitten durch die Schulgemeinschaft oder das zuständige Schulamt eingereicht wurde.

Rosen, die vor ihren Stängeln verblüht waren, schienen für den Moment der Scherz über die Grenzen des Erlaubten hinaus zu gehen. Die Frage, ob Humor auch im Anklang an die Geschichte stehen darf, ist und bleibt umstritten.

Und während die Diskussionen auf dem Schulhof weitergingen, wurde die Frage nach der Unbedenklichkeit eines solchen Mottos immer virulenter. Am Ende des Tages stellte sich jedoch die Frage, ob der Schauteller von Gießen nicht einfach vergessen hatte, was es heißt, kreativ zu sein, ohne ins Hornissennest der Geschichtsklitterung zu stechen.

Der schmale Grat zwischen Provokation und Unsensibilität

Man könnte annehmen, dass die Schüler in Anwesenheit ihrer Lehrer ein wenig zurückhaltender wären. Doch bei allem Respekt für die Autorität des Lehrkörpers war der Drang nach Individualität und Ausdruck stärker. Ein wenig Provokation kann ja schließlich nie schaden, dachte man sich in den hallenden Fluren der Gießener Gymnasien. Dennoch bleibt die Frage, ob solch gediegene Provokation, die im Verdruss über die Schule wurzelt, nicht schnell den Hang zur Unsensibilität offenbart.

Ein Lehrer, der sich mit der Situation konfrontiert sah, beschrieb das Dilemma als „Nervenspiel“. Man wünscht sich eine kreative Freiheit, gleichzeitig aber auch einen respektvollen Umgang mit der Geschichte. Den Schülern zu vermitteln, dass es für jeden Witz einen Preis gibt, schien fast unmöglich. An dieser Stelle kann man sich gerne an den eigenen Schulzeiten zurückerinnern, als der Streik der Schüler oft durch unbedachtes Humorverständnis geprägt war.

Die Gießener Schüler hatten den Mut, aus der Reihe zu tanzen, und das ist sicherlich bewundernswert. Wie oft hat man selbst in den Schulfluren ähnliche Strategien beobachtet, während die Lehrer sich die Haare raufen? Doch die Suche nach dem perfekten Spruch, um sich von den anderen Jahrgängen abzuheben, führte die Schüler in eine Morass aus Missverständnissen über Humor und Geschichte.

An einem Punkt wurde das Motto „Wir holen uns die Freiheit zurück“ als Vorschlag in den Raum geworfen, und während einige Schüler spontan applaudierten, drängten sich die Gedanken über die tiefere Bedeutung der Worte auf. Was bedeutet es wirklich, die Freiheit zurückzuholen? Frei von was? Und warum dieses Motto in Bezug auf einen Abschluss? Fragen über Fragen, die unweigerlich im Raum standen, während die Schüler wie eine Gruppe ungebärdiger Teenager im Zickzack durch die Idee der Selbstinszenierung schlitterten.

Humanität versus Humor – lassen sich diese Konzepte in Einklang bringen? Im besten Fall ist das Resultat ein Gelächter, das auf einem Scherz basiert, der nicht zur Fragestellung der Kulturgeschichte führt, aber auch nicht in der Bedeutungslosigkeit abdriftet.

Einige Lehrkräfte waren überrascht, wie die Diskussion im Unterricht die Schüler zu einem tiefergehenden Nachdenken über ihre eigenen Werte führte. Es scheint, als könnte ein simples Spruch-Motto mehr bewirken, als man zunächst dachte.

Am Ende war der Tag, an dem das Motto gewählt wurde, wie ein Markierungspunkt des Erwachsenwerdens. Ein Übergang von naivem Jux hin zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Man stellte fest, dass die humorvolle Aufarbeitung der Geschichte nicht mit dem Zitat eines autoritären Regimes verbunden werden sollte.

So sehr es auch in den Klassenzimmern um das Mottowettbewerb ging, die Lektionen, die daraus resultierten, waren von einer anderen Dimension. Man könnte sogar sagen, dass die Schüler mehr über sich selbst lernten als über die Wahl des Mottos. Ein Ergebnis, das weit über die Grenzen des Schulgebäudes hinausreicht.

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